
Wenn ich mich Richtung Marburg-Wehrda auf den Weg zum Atelier mache, bin ich während der Fahrt immer noch ein wenig aufgeregt. Obwohl ich diese Strecke wohl schon hunderte Male gefahren bin, ist da dieses leichte Gefühl von Lampenfieber. Ein zartes Flügelschlagen der Schmetterlinge in meinem Bauch. Ich höre auf dem Weg Musik und düse mit meinem kleinen Flitzer über die Landstraße. Bis ich da bin, dauert es nur knapp 15 Minuten. Zeit, um die Gedanken kreisen zu lassen.
Ist es wirklich wahr, dass ich gerade zu meinem eigenen Keramikatelier fahre?
In diesen Momenten, in denen ich ganz alleine und für mich bin, werde ich in letzter Zeit immer wieder von meinem Bewusstsein begleitet und angestupst. Bewusst sein. Es lässt mich realisieren, dass ich mit Atelier Sisu meinen lang ersehnten Traum von einer kreativen Selbstständigkeit umsetze und im Hier & Jetzt dabei bin, ein Keramikstudio natürlich und schrittweise aufzubauen.
So lange habe ich daran im Stillen gearbeitet, Konzepte und Ideen aufgeschrieben, Coachings und Therapiesitzungen besucht, Fortbildungen belegt – und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich alles zusammenführe.
Es fühlt sich befreiend an, diese ersten Schritte alleine zu gehen. Ich, ganz für mich – ohne, dass mir eine Person etwas diktieren kann, mir Fristen setzt oder mir den Tag versaut. Natürlich kann das immer noch passieren, aber diesmal gibt es klare Grenzen.
Ich kann für mich in diesem Jahr frei entscheiden, wann und wie lange ich im Atelier arbeiten möchte, wie viel und mit wem ich arbeiten möchte. Ich bin durch meinen Hauptjob noch nicht abhängig von meinem kleinen Business. Für mich zählt aktuell nur der Flow und das gute Gefühl, dass ich meine ganz eigene Version von mir selbst ausleben darf.
Der aufregendste Moment ist jedoch nicht die Fahrt ins Atelier. Es ist der Moment, in dem ich die Eingangstür des Ateliers aufschließe, auf meiner Zitronen-Kokosmatte stehe und auf ein strahlendes Blau an der Wand schaue.
Die ersten Minuten im Atelier fühlen sich einerseits vertraut und andererseits fremd an. Vertraut, weil die Renovierung noch nicht lange zurückliegt und ich den Ort auch schon vor der Übernahme besucht habe. Fremd, weil ich überhaupt noch keine richtigen Routinen habe.
Anfangs fühle ich mich dann ein bisschen lost, aber sobald ich die Musikbox mit meiner Atelier Sisu-Playlist anschalte und den ersten Song „End of Beginning“ von Djo höre, werde ich ruhig und wusele vor mich her.
Jeder Schritt, jeder Handgriff ist neu und geht sofort mit mir in Resonanz. Es fühlt sich aufregend an, sich als fast 40-jährige Frau neu kennenzulernen und unbekannte Wege zu gehen.
Auch wenn sich manchmal alles überwältigend anfühlt und im Moment immer wieder große Unsicherheiten hervortreten und gehört werden wollen, wohnt diesem Neustart ein Zauber inne.
Atelier Sisu fühlt sich frisch, unverbraucht, bunt und sonnig an – und hat ein offenes Herz. Die Menschen, die ich mit meinem Atelier und meiner Keramik anspreche und die ich in den Kursen oder bei Terminen kennenlernen durfte und darf, sind genau die Menschen, die ich gesucht habe und brauche.
Ich möchte mit Atelier Sisu nicht nur Töpferkurse leiten, sondern auch meine Ästhetik und meine Gedanken auf Ton bringen – sei es in kleinen kuratierten Kollektionen oder größeren Installationen.
Doch jetzt möchte ich mein Baby erstmal richtig kennenlernen, es beschnuppern und es beim Wachsen begleiten.
Welcome to the world – Atelier Sisu®.
